Wo baut der Entwurf denn "den Park" zu?
Der Entwurf baut den Park nicht zu, aber Casu meinte ja, das Feld wäre ein unnötiger Luxus, den sich Berlin nicht leisten kann. Halte ich für schlecht informiert.
Und doch, jede neue Wohnung, auch im höherpreisigen Bereich ist eine Wohnung, die wo anders nicht in Beschlag genommen wird oder gekauft wird. Aber dieses "Argument" kenn ich in Berlin zu gut, Neubau wird immer als Problem beschrieben und die wissenschaftlich belegten Mechanismen eines Marktes werden vollkommen abgesprochen und ich bin wirklich jemand, der Wohnen als Grundrecht ansieht, welches eines besonderen Schutzes bedarf, aber nur durch Regulierung, Mietpreisbremse und Verhinderungspolitik wird man in einer Stadt mit stark wachsender Bevölkerung nun einmal niemals das Wohnungsproblem lösen.
Ich wünschte ja, du hättest recht, aber fürchte da liegt ein Irrtum vor. Was Berlin braucht sind Wohnungen mit Quadratmeterpreisen von 6-8 Euro (sozialer Wohnungsbau) - hier liegt der Mangel. Neubauwohnungen dagegen kosten im Schnitt 22 Euro/m² .
Das Problem der fehlenden Wohnungen ist also in Wirklichkeit eines der fehlenden bezahlbaren Wohnungen.
Du sprichst von "wissenschaftlich belegten Mechanismen eines Marktes" - aber der Wohnungsmarkt ist kein freier Markt. Ihm fehlen wesentliche Merkmale: Bauland ist begrenzt und unelastisch, das Angebot steigt nicht bei steigenden Preisen, die Fläche bleibt konstant. Baulandpreise stiegen bereits um 50% zwischen 2010-2019 . Zudem ist Wohnen ein Grundbedürfnis, kein Konsumgut - Verbraucher können bei hohen Preisen nicht "verzichten". Hohe Transaktionskosten und Standortgebundenheit verhindern flexible Marktreaktionen.
Der von dir implizierte "Sickereffekt" - die Theorie, dass neue teure Wohnungen Umzugsketten auslösen, wodurch am Ende günstige Wohnungen frei werden - funktioniert in der Realität nicht.
Wissenschaftler fanden keine empirische Studie zu angespannten Wohnungsmärkten, die Sickereffekte auf bezahlbare Wohnungen belegt. Im Gegenteil:
Frei gewordene Wohnungen werden etwa doppelt so teuer weitervermietet - du suchst ja schon seit einiger Zeit selbst eine neue Bleibe, du wirst das ja zu Genüge selbst kennen. Zudem ist der Wohnungsmarkt segmentiert: Der Bereich der hochpreisigen Wohnungen ist bereits gesättigt und weist ein
"nahezu ausgewogenes Nachfrage-Angebots-Verhältnis" auf, während günstige Wohnungen massiv fehlen.
Genau deshalb regulieren erfolgreiche Städte weltweit aktiv statt auf Marktmechanismen zu vertrauen. Wien erreicht mit seinem Gemeindebau für 60% der Bevölkerung Mieten von 6,60 Euro/m² und friert Mieten ein. Paris führte 2019 Mietobergrenzen ein, Barcelona regionale Mietregulierung, New York reguliert über 1 Million Wohnungen. In Deutschland haben 13 Bundesländer Mietpreisbremsen eingeführt.
Die Wohnungsmärkte befinden sich strukturell in einem "ständigen Zustand des Ungleichgewichts", weil Bauland als Vermögenswert gehortet wird statt produktiv genutzt zu werden. Ungeförderter Neubau, wie in diesem Entwurf, kann das Problem bezahlbarer Wohnungen daher gar nicht lösen - nur durch Regulierung und öffentlichen Wohnungsbau entstehen die Wohnungen, die Berlin wirklich braucht. Leider.