Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Sichtachsen-Diskussion gerade von der Seite, denen das Thema egal ist oder es als „provinziell“ empfindet, lauter und emotionaler geführt wird als von der Seite, die sich für Sichtachsen einsetzt.
@Casu zu #450
Ich habe soeben den ganzen von dir verlinkten Artikel hinter der Paywall gelesen und finde es etwas unseriös von dir wie du ihn politisch für dich auslegst. Es wird in
einer einzigen Zeile nur gesagt der Berlinian-Tower sei „
Stadtgespräch“, da der
„Turm den Blick auf den Fernsehturm verdeckt, wenn man aus nordöstlicher Richtung auf den Alexanderplatz schaut.“ Mehr wird nicht gesagt und der gesamte Artikel berichtet neutral, offen und ausführlich über den Stand
aller Hochhausprojekte am Alex. Keine provenziellen Sichtweisen oder Diskussionen, um das Thema Sichtachse, die du reingelesen hast und als einzige Information hier ins Forum gestellt hast. Dann lieber doch was produktives hier reinschreiben, anstatt eine Diskussion anzufangen. Wie zum Beispiel, dass im Hines Hochhaus die Wohnnutzung anscheinend komplett und endgültig raus ist und man Büroflächen in das gesamte Hochhaus bauen will (was ich dort in der Klarheit so zum ersten Mal gelesen habe).
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@Marco88 In New York City regiert das Geld ohne Rücksicht, die Entscheidungsgewalt der lokalen Bevölkerung ist da eher gering, aber sie werden laut wahrgenommen und wehren sich. In diesem Kontext stelle ich ein paar als weitläufig kontrovers diskutierte und abgelehnte Wolkenkratzer in NYC vor.
262 Fifth Avenue
Verstellt den ikonischen Blick auf das Empire State Building. Gebaut werden 26 Wohnungen (!) für Milliardäre auf 54 Stockwerken und 262 m. Gesellschaftlicher Aufschrei war sehr groß. Ikonischer, identitätsstiftender Blick für immer aus den wenigen Freiräumen der Stadt verloren und nur noch für Milliardäre verfügbar.
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Project Commodore
480-500 m Hochhaus in Planung direkt neben dem 319 m Chrysler Building. Gesellschaftlicher Aufschrei ist groß, da es den städtischen Blick aufs Chrysler Building blockiert und vor allem wegen dem respektlosen Umgang mit dem architektonischen Erbe der Stadt, welches dadurch degradiert wird.
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200 Amsterdam Avenue
Auf fast nicht legalem Wege wurde das Hochhaus 204 m hoch gebaut und verschattet seitdem die umgebene Blockrandstruktur der Upper West Side. Versuche und Initiativen das Gebäude zu verhindern waren zahlreich. Nach Fertigstellung des Baus wurde gerichtlich geurteilt dass 20 Stockwerke zu hoch gebaut wurde und diese abgetragen werden müssen.
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Und von den schlanken Hochhäusern der billionairs row will ich nicht anfangen…
All das nur als Einblick und nicht um einen Standpunkt zu untermauern. Wer mehr zu diesen Projekten wissen will, kann selber weiter recherchieren.
Aber alle Diskussionen rund um dieses Thema Sichtachsen einfach als provinziell abzustempeln, ist falsch. Viele Hauptstädte haben Ideen wie sie mit ihren Hochhäusern und Sichtachsen umgehen wollen (London, Paris, …)
Dass sich gewisse Berichterstattungen vielleicht auch zu einem letzteren Zeitpunkt anhäufen, liegt vielleicht auch daran, dass erst jetzt die Höhe erreicht ist, wo der Fernsehturm verschwunden ist und einen wirklichen räumlichen Eindruck bekommt und daher man auch endlich darüber schreiben kann.
Ich persönlich bin weiterhin sehr offen für alle Entwicklungen die gerade passieren, abgesehen vom Monarch-Turm in Bezug auf die Sichtachse Frankfurter Allee, aber gerade ab Jannowitzbrücke in Richtung Osten könnte weitaus mehr drin sein in vielen Projekten; die östliche Innenstadt braucht diese Leuchtturm-Großprojekte um sich von der City-Ost etwas loszulösen und die Umgebung polyzentraler zu gestalten, sowie auch um endlich mehr städtischen Schwung und Anspruch stadtauswärts nach Lichtenberg etc. zu tragen.